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Dienstag, 26. Februar 2013
Globalisierung des Beseitigens unliebsamer Mitmenschen ...
thomas-christian, 13:53h

Rückblick, Newark, Juli 2009
Special Agent Frank Graham und Special Agent Karl Lennigton vom FBI standen lässig an einen Pfeiler gelehnt in der Ankunftshalle im Terminal A des Liberty International Airports Newark. Ihre Zielperson hatte in dem Flieger der American Airlines gesessen, der soeben pünktlich aus Chicago kommend auf der Runway aufgesetzt hatte. Außer dieser Information besaßen sie lediglich eine passbildartige Aufnahme des Mannes, dessen Vorname Sergey lautete, und den Auftrag, den Gesuchten in Gewahrsam zu nehmen. Unverzüglich war dieser dann dem Haftrichter vorzuführen, der alles weitere festlegen würde.
Der Strom der Ankommenden ergoss sich in die Ankunftshalle. Die beiden Special Agents lösten sich von dem Pfeiler und schlenderten auf die Absperrung zu, die den öffentlichen Bereich von den Fluggästen trennte. Unauffällig verglich Graham die Gesichter der Ankommenden mit seiner Aufnahme. Als einer der letzten Passagiere verließ ihr Mann den Fluggastbereich. Er nickte Lennigton zu.
Die beiden Special Agents nahmen Sergey in ihre Mitte. Graham hielt ihm seine Dienstmarke unter die Nase.
„Machen Sie kein Aufsehen! Kommen Sie einfach mit!“
Sie hatten ihn vollkommen überrascht.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie?“
Ohne Gegenwehr ließ Sergey sich von den beiden Beamten abführen, die ihn in Richtung Ausgang schoben, wo ein dritter Special Agent, Jim Valinsky, mit einem Wagen auf sie wartete. Routiniert inspizierte Graham während des Gehens ihre nächste Umgebung und ließ Sergey dabei seine Rechte wissen.
„FBI. Sie sind festgenommen. Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht, einen Anwalt hinzuzuziehen. Wenn Sie sich keinen Anwalt leisten können, wird Ihnen einer gestellt. Haben Sie Ihre Rechte verstanden?“
Es war Graham gleichgültig, ob Sergey ihn verstanden hatte oder nicht. Er hatte lediglich vorschriftsmäßig die Miranda Warnung herunterzuleiern.
Ein Anflug von Panik ergriff Sergey, denn er hatte in Chicago unter seinem wirklichen Namen eingecheckt und das FBI konnte unmöglich bereits seine wahre Identität herausgefunden haben. Es musste sich um ein Versehen handeln!
Reisende und ihre Angehörigen, Gepäck und Trolleys verstopften den Weg, während sie sich durch eine riesige Drehtür in das Freie drängten. Sergey versuchte, sich in dem Gewühl loszumachen, seinen Pass hervor zu holen, um das Missverständnis zu klären. Aber die beiden Beamten hielten ihn fest im Griff. Draußen öffnete der dritte Mann die hintere Wagentür eines schwarzen Buicks und verzweifelt stemmte sich Sergey gegen die beiden Special Agents, die ihn auf die Sitzbank befördern wollten.
Sergey war kräftig gebaut und Angst verdoppelte seine Anstrengungen. Durch eine ruckartige Drehung nach links gelang es ihm, Lennington für einen kurzen Moment abzuschütteln und seinen rechten Arm frei zu bekommen. Er langte in die linke Brusttasche seines Anzugs, um nach seinem Pass zu greifen.
Die Kugel traf ihn mitten in die Stirn. Ungläubiges Staunen machte sich in Sergeys Blick breit, als seine Beine nachgaben und er rückwärts auf das Pflaster stürzte. Graham und Lennigton ließen ihn instinktiv los und traten entsetzt einen Schritt zurück.
„Bist Du verrückt geworden?“ schrie Graham fassungslos Jim Valinsky an. „Wir standen keine zwei Schritt von dem Mann entfernt! Du kannst hier doch nicht so einfach rumballern!“
„Ich dachte, der zieht eine Waffe.“
Special Agent Jim Valinsky ließ den Revolver langsam sinken und lehnte sich an sein Gefährt. Er wirkte vollkommen ruhig. Keine Spur von Nervosität.
Graham schäumte vor Wut. Er kniete sich neben Sergey und beugte sich über ihn, konnte aber kein Lebenszeichen mehr feststellen. Er sah mit verzerrtem Gesicht hoch zu Valinsky.
„Quatsch, der kommt doch gerade aus dem Flieger und wir haben ihn sofort abgefangen. Wie soll er da ein Schießeisen bei sich tragen?“
Neugierige scharrten sich um sie und langsam schloss sich ein Kreis. Rufe nach Polizei und Ambulanz wurden laut.
Graham fasste dem Toten in die linke Brusttasche. Statt einer Waffe zog er einen Pass heraus und blätterte ihn mit spitzen Fingern auf. Mit gerunzelter Stirn betrachtete er die ersten Seiten und untersuchte dann die restlichen Taschen des Toten. Schließlich förderte er noch einen Führerschein zutage. Dann kramte er das Bild von vorhin aus seiner eigenen Tasche hervor und verglich es mit dem Gesicht des Toten und den Bildern in den Dokumenten. Er sah zu seinen beiden Kollegen hoch.
„Das ist unser Mann. Das ist der Kerl auf dem Foto. Aber heilige Scheiße! Der ist Amerikaner! Er hat einen in Illinois ausgestellten Führerschein und einen amerikanischen Pass! Und auf den Namen Sergey lauten seine Papiere auch nicht!“
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