Dienstag, 5. März 2013
Konto verschwinden lassen. Aber wie?


Überlegungen zu folgender, durchaus berechtigter Frage eines guten Blogfreundes auf blog.de:

Wie kann ein Konto bei einer seriösen Bank einfach so verschwinden?

Gute Frage, oder?

Ich will die Antwort einmal so versuchen:

Angenommen, ein deutscher Spitzenpolitiker erkennt, dass er offensichtlich nach scheinbar unendlich langer Tätigkeit in seinem Amt den Zenit überschritten hat und sein Stern zu sinken beginnt. Nicht ausgeschlossen, dass er in nächster Zeit sein Amt sogar verliert. Der Wähler ist da, Gott sei es geklagt, unberechenbar.

Sagen wir einmal, dieser Spitzenpolitiker ist ein deutscher Kanzler. Nur so angenommen. Nennen wir ihn der Einfachheit halber K.

Wie jeder anständige Spitzenpolitiker, also nicht nur Brüderle, hat auch K. im Laufe seiner vielen, vielen Dienstjahre jede Menge Leichen im Keller angesammelt. Und Schlimmeres. Kann ja mal passieren, wenn man Spitzenpolitiker ist. Insbesondere bei einem so Machtvollen wie er es ist.

Was also tun?

Klar, aufräumen!

Final kann man Bundeslöschtage veranstalten. Damit auch alles wirklich weg ist, wenn der Nachfolger die Schränke aufmacht.

Und was ist mit den Dingen, die man nicht so einfach durch den Schredder schieben kann? Ein unliebsam gewordenes Bankkonto zum Beispiel?

Klar, muss auch weg!

Gesagt, getan.

Schneller Anruf bei seinem Zuarbeiter. Sagen wir einmal ein Kanzleramtsminister und nennen wir ihn S.

„Erinnerst Du Dich noch an das Bankkonto in Luxembourg“

„Welches der vielen Konten meinst Du denn?“

„Na, das, über das wir unter anderem die Stasikohle geschoben haben.“

„Ach das. Ja, ich erinnere mich.“

„Das muss verschwinden.“

„Verschwinden? Wie soll das Konto einfach verschwinden?“

„Das weiß ich doch nicht! Du bist doch der Experte für diese Dinge!“

Aufgelegt.

Am anderen Ende der Leitung wird gegrübelt. Dann S.’s Eingebung. Neuer Telefonanruf.

„Wir haben ein Problem.“

„Hallo, bist Du das, S.?“

„Ja. Wir haben ein Problem. Das Konto in Luxembourg, über das wir Stasikohle geschoben haben, muss verschwinden. Der Alte will das so.“

„Hmmm. Nicht einfach. Da werde ich unsere russischen Freunde einbinden müssen. Wir im BND können das nicht alleine.“

„Ist mir egal. Hauptsache, das Konto kommt weg.“

Aufgelegt.

Nachdenken, dann Anruf bei der SWR [ Anm.: Nachfolgeorganisation für die Auslandsaufklärung des 1991 aufgelösten KGB ].

„Kann ich Pr. sprechen?“

Warten, Pausenzeichen.

„Hier ist Pr.“

„Wir haben ein Problem. Erinnerst Du Dich an das Konto in Luxembourg? Das mit der Stasikohle?“

„Und ob, Brrrüderrrchen! Warrrrr das ein Spaß damals! Derrrr Vodka floss in Strrrrähmen und“ …

„Ja, ja. Schon gut. Das Konto muss weg.“

„Brrrrüderrrrchen, Brrrrüderrchen. Das gäht nicht so einfach.“

„Egal. Das Konto muss weg.“

„Ich wärrrde sähen, was ich maaachen kann.“

Aufgelegt.

Pr. sitzt in Russland vor seinem Telefon und siniert. Dann greift er grinsend zum Hörer und ruft seinen alten Weggefährten drei Straßen weiter an, der, sagen wir einmal, ungefähr das in Russland ist, was S. in Deutschland ist und heute russischer Spitzepolitiker. Der russische Spitzenpolitiker mit umfassender KGB-Erfahrung. Nennen wir ihn P. Ohne r.

„Hierrrr ist Prrrr. Die Deitschen haben ein Prrroblem. Wir sollen das Konto in Luxembourg beseitigen.“

„Wieso?“

„Keine Ahnung. Aberrr wenn wirrr es tun, dann schulden sie uns einen Gefallen.“

„OK. Ich kümmere mich darum.“

Aufgelegt.

Anruf P.s bei der Bank in Luxembourg.

„Hier ist P. Ich möchte mit Vorstandsprecher J. reden.“

„Selbstverständlich, Herr P. Aber bitte, gerne doch.“

Warten. Dann ist J. zu hören, leicht aus der Puste. P. lässt man eben ungern warten.

Extrem freundlicher Ton: „Ja, bitte? Was kann ich für Sie tun?“

Frostiger Ton: „Wir haben überprüfen gerade unsere Geldanlagen in Ihrer Bank. Überschauen Sie unsere Einlagen in Ihrem Haus?“

Leichte Nervosität bei J.

„Also, nicht so auf Anhieb. Aber ich kann eine exakte Aufstellung sofort“ …

„So ungefähr reicht mir.“

J. kommt ins Schwitzen, zerrt sich die Krawatte vom Hals und öffnet den obersten Knopf seines Hemdes.

„Nun, also, so ungefähr, ich denke eins Komma fünf Milliarden US-Dollar. Plus minus hundert Millionen.“

„Gut. Dann haben wir das geklärt.“

Hoffnungsfrohe Frage: „War es das?“

Belangloser Tonfall: „Ja. Das war es. Oder halt. Einen kleinen Gefallen können Sie mir noch tun.“

„Gerne. Für unsere besten Kunden sind wir stets da!“

„Es gibt da ein Konto in Ihrem Haus. Details lasse ich Ihnen zukommen. Es wäre mir äußerst lieb, wenn dieses Konto, nun sagen wir, nie existiert hätte.“

„Nicht existent. Sehr wohl. Ich werde alles Entsprechende veranlassen. Sofort.“

„Ich wusste, dass wir uns verstehen.“

Aufgelegt.

J. greift zum Telefonhörer.

„Ich will jetzt keine Fragen. Aber gleich bekommen Sie von mir Details zu einem Konto, das wir unverzüglich verschwinden lassen müssen. Dieses Konto hat es nie gegeben. Hören Sie?“

„Sehr wohl, Herr Generalvorstand. Wird erledigt.“

Jahre später taucht ein Mann in der Bank auf und legt einen Einzahlungsbeleg für dieses Konto auf den Tisch. Die Angestellte kommt ins Rotieren, im Hintergrund werden hektische Gespräche geführt.

„Der Kerl muss weg.“

„Das war mal einer von uns! Das geht bei dem nicht so einfach.“

„Dann schafft ihn mir anderweitig vom Hals!“

Seit dem peitscht mir Sturm in das Gesicht …

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