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Mittwoch, 27. Februar 2013
Richterliche Arroganz
thomas-christian, 10:52h

Rückblick, New York, August 2009
„Setzen Sie sich.“
„Danke, Euer Ehren.“
Der Staatsanwalt, US Attorney Alec Glovin, setzte sich auf den zugewiesenen Platz am Tisch im Büro der ehrenwerten Richterin am US District Court, Southern District of New York, Manhattan, Michelle Moore. Er war nicht das erste Mal in diesem Büro, trotzdem wirkten die schweren Möbel in diesem geschichtsträchtigen Raum beklemmend auf ihn. Nach dem siegreichen Unabhängigkeitskrieg der USA war dieses Gericht 1789 als eines der ersten überhaupt unter dem Judiciary Act der neuen Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika entstandenen.
Alec Glovin war zweiundfünfzig Jahre alt, hoch aufgeschossen und wirkte schlaksig. Er bevorzugte graue Anzüge, die stets eine Nummer zu groß zu sein schienen, und genoss höchsten Respekt in Anwaltskreisen. Er stand in dem Ruf, ein beinharter Ankläger zu sein, der auch aus schwachen Positionen heraus erfolgreich war. Geschworene neigten dazu, ihm in seinen Argumentationen zu folgen und ließen sich von ihm überzeugen. In einer Vielzahl von Fällen hatte er Verurteilungen erreicht, obwohl zu Prozessbeginn der Angeklagte sich nach Beendigung des Verfahrens bereits als freien Mann wähnte.
Michelle Moore war ebenfalls Anfang fünfzig, leicht untersetzt und entsprach dem Prototyp der amerikanischen Richterin, selbstsicher und jederzeit Herrin des Geschehens in ihrem Gerichtssaal. Sie bekleidete das Amt der Richterin an diesem District Court seit knapp fünfzehn Jahren und galt im Kollegenkreis als fair, wenn gleich auch häufiger mit dem Hang zur Begünstigung der vermeintlich Schwächeren. Ein Fehlurteil konnte ihr aber in all den Jahren nicht nachgewiesen werden. Zudem war sie eine ausgewiesene Frauenrechtlerin, was sie durch energisches Auftreten zu unterstreichen pflegte.
Der Staatsanwalt war nicht überschwänglich begeistert gewesen, als er gehört hatte, dass Michelle Moore für seinen Fall zuständig war. Aber er fand, es hätte auch schlimmer kommen können.
Die Richterin beobachtete, wie Alec Glovin einen Stoß Papiere aus seiner Tasche nahm und ihn vor sich auf den Tisch legte.
„Das FBI hat die Untersuchungen im Fall des illegalen Datentransfers bei Goodman Stachs weitgehend abgeschlossen. In Verbindung damit wurde auch der Tod des Hauptverdächtigen untersucht. Der Mann hieß Sergey“…
„Ich habe die Akte gelesen“, unterbrach ihn Michelle Moore ungehalten. Der ursprünglich ihr übertragene Fall behandelte ausschließlich den illegalen Datentransfer bei Goodman Stachs. Die Angelegenheit schien unkompliziert und versprach eine Menge Publicity. Etwas, was ganz nach ihrem Geschmack war. Als der Chief Judge des Courts, der ehrenwerte Bernard A. Maldwin, ihr mitgeteilt hatte, dass das Verfahren wegen der Tötung des Hauptverdächtigen im Fall Goodman Stachs aufgrund der vermuteten Zusammenhänge ebenfalls auf ihre Kammer übertragen werden sollte, obwohl der tödliche Schuss in Newark und damit auf dem Gebiet des Staates New Jersey gefallen war, hatte sie ihn um ein Gespräch unter vier Augen gebeten. Ihre Kammer war ohnehin bereits vollkommen überlastet und diese Ausweitung des Falls roch nur nach einer Menge zusätzlicher Arbeit für Sie. Sonst nichts. Aber der Chief Judge war hart geblieben. Beide Fälle hatten in ihrer Kammer verhandelt zu werden.
Michelle Moores schlechte Laune blieb Alec Glovin nicht verborgen und er wollte diese Besprechung so schnell wie möglich hinter sich bringen.
„Ja, Euer Ehren. Dann wissen Sie ja, dass ich gar keine andere Wahl habe, als Anklage zu erheben gegen FBI Special Agent Jim Valinsky wegen Mordes an dem Hauptverdächtigen im Fall Goodman Stachs.“
Michelle Moores Laune hatte sich um keinen Deut gebessert.
„Ziemlich dünnes Eis, auf das Sie sich da begeben, kann ich Ihnen nur sagen. Wenn Sie den Geschworenen nicht mehr präsentieren können als das, was ich in den Akten habe, dann gehen Sie baden.“
Er war absolut vom Gegenteil überzeugt, hielt es aber für klüger, die Anmerkung der Richterin zu ignorieren und fuhr fort:
„Die weiteren Ermittlungen haben ergeben, dass die illegal kopierten Source-Codes über einen Host in Deutschland, genauer gesagt in München, auf einen Rechner in London geleitet wurden. Dort haben wir die Daten sicherstellen können in Zusammenarbeit mit der UK SOCA, also der United Kingdom Serious Organised Crime Agency. Die SOCA-Leute haben wiederum ihre UK FIU, also die Financial Intelligence Unit, eingebunden. Wenn man den Protokollen der UK FIU zu den Verhören des Betreibers und ihren kriminaltechnischen Untersuchungen dieses subversion hosting in London glauben darf, dann wurden die Daten von diesem Server in London nicht weitergeleitet.“
Alec Glovin wühlte in den Papieren vor sich. Michelle Moore wurde zunehmend ungeduldig. Sie klang gereizt.
„Ich sagte bereits, dass ich die Akte gelesen habe, Mister Glovin.“
„Einen Augenblick, bitte, Euer Ehren. Hier habe ich es.“
Alec Glovin reichte der Richterin ein Dokument.
„Das hier ist neu. Eine Kopie der Verhörprotokolle des Betreibers des Servers in London. Und hier“, er reichte Michelle Moore weitere Dokumente rüber, „sind die Aussagen der zuständigen Mitarbeiter von Goodman Stachs in New York. FBI-Leute haben die Verhöre geführt. Die Aussagen sind mit Datum und Unterschrift der Befragten versehen.“
Michelle Moore überflog die Seiten.
„Was sollen mir diese Protokolle sagen?“
„Euer Ehren, wenn wir nun davon ausgehen, dass diese Befragten die Wahrheit sagen, und wir können davon ausgehen, dass sie das tun, dann müssen wir zu dem Schluss kommen, dass wir zwar die Software in London sichergestellt haben, tatsächlich aber noch eine weitere Kopie der Dateien in Deutschland verblieben ist. Und wenn das stimmt, dann haben wir ein Problem.“
Die Richterin fixierte Alec Glovin jetzt, die Augen fast zu Schlitzen geschlossen.
„Dann stellen Sie fest, was da in Deutschland passiert ist.“
„Das ist nicht so einfach, Euer Ehren. Wir haben gemeinsam mit den zuständigen Behörden in Deutschland, dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden und Berlin, das Unternehmen in München, über dessen Server die Daten ebenfalls gelaufen sind, bereits überprüft.“
Er machte eine Pause, um die Schwere seiner Feststellung zu unterstreichen.
„Wir haben aber nichts gefunden. Rein gar nichts. Das Protokoll des sendenden Rechners von Goodman Stachs beweist eindeutig, dass ein Rechner in diesem besagten deutschen Unternehmen angesprochen wurde. Es war sogar extra ein Ping ausgesandt worden, um die Leitung zu prüfen. Der Ping wurde mit Sicherheit aus Deutschland beantwortet. Aber das ist auch schon alles, was wir sagen können.“
Alec Glovins Stimme bekam fast einen beschwörenden Unterton, als er weiter sprach.
„Es geistert da draußen mit großer Wahrscheinlichkeit die Kopie einer Software rum, mit der ein Insider sich an einer Börse in den computergesteuerten Hochfrequenzhandel mit Wertpapieren einklinken kann. Das zu können heißt auch, den Handel manipulieren zu können. Den Handel manipulieren zu können heißt auch, auf einen Markt, auf dem geschätzt mehr Geld fließt, als die meisten Staaten dieser Welt zusammen aufbringen können, zerstörerisch einwirken zu können. Und ein erfolgreicher Angriff auf die Finanzmärkte dieser Welt wäre ein Angriff auf unsere Zivilisation, so wie wir sie kennen. Die Folgen wären nicht abzusehen, nur eines können wir mit Gewissheit sagen. Nine Eleven, der Einsturz der Türme des World Trade Centers in New York am elften September 2001 war eine Katastrophe für die USA, aber ein Zusammenbruch der Finanzmärkte würde ein Inferno sein für alle Industrienationen! Ganze Staaten würden Bankrott erklären müssen, Anarchie würde sich weltweit ausbreiten!“
Alec Glovin legte noch eine Pause ein, bevor er weiter sprach.
„Wenn Sie mich fragen, Euer Ehren, dann haben wir es hier mit der ernsthaftesten Gefahr für die Existenz der Vereinigten Staaten von Amerika und der ganzen zivilisierten Welt zu tun, mit der wir jemals konfrontiert waren!“
Zum Entsetzen von US Attorney Alec Glovin winkte Michelle Moore desinteressiert ab.
„Wenn das stimmen sollte, was Sie sagen, Mister Glovin, wovon ich übrigens nicht ausgehe, dann müsste ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit diese Software in Deutschland wieder aufgetrieben wird. Dann wäre sogar die Regierung in Washington zu informieren. Ich werde mich aber zum jetzigen Zeitpunkt mit einer derart abenteuerlichen Geschichte nicht lächerlich machen. “
Damit war die Sitzung beendet.
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Dienstag, 26. Februar 2013
Globalisierung des Beseitigens unliebsamer Mitmenschen ...
thomas-christian, 13:53h

Rückblick, Newark, Juli 2009
Special Agent Frank Graham und Special Agent Karl Lennigton vom FBI standen lässig an einen Pfeiler gelehnt in der Ankunftshalle im Terminal A des Liberty International Airports Newark. Ihre Zielperson hatte in dem Flieger der American Airlines gesessen, der soeben pünktlich aus Chicago kommend auf der Runway aufgesetzt hatte. Außer dieser Information besaßen sie lediglich eine passbildartige Aufnahme des Mannes, dessen Vorname Sergey lautete, und den Auftrag, den Gesuchten in Gewahrsam zu nehmen. Unverzüglich war dieser dann dem Haftrichter vorzuführen, der alles weitere festlegen würde.
Der Strom der Ankommenden ergoss sich in die Ankunftshalle. Die beiden Special Agents lösten sich von dem Pfeiler und schlenderten auf die Absperrung zu, die den öffentlichen Bereich von den Fluggästen trennte. Unauffällig verglich Graham die Gesichter der Ankommenden mit seiner Aufnahme. Als einer der letzten Passagiere verließ ihr Mann den Fluggastbereich. Er nickte Lennigton zu.
Die beiden Special Agents nahmen Sergey in ihre Mitte. Graham hielt ihm seine Dienstmarke unter die Nase.
„Machen Sie kein Aufsehen! Kommen Sie einfach mit!“
Sie hatten ihn vollkommen überrascht.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie?“
Ohne Gegenwehr ließ Sergey sich von den beiden Beamten abführen, die ihn in Richtung Ausgang schoben, wo ein dritter Special Agent, Jim Valinsky, mit einem Wagen auf sie wartete. Routiniert inspizierte Graham während des Gehens ihre nächste Umgebung und ließ Sergey dabei seine Rechte wissen.
„FBI. Sie sind festgenommen. Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht, einen Anwalt hinzuzuziehen. Wenn Sie sich keinen Anwalt leisten können, wird Ihnen einer gestellt. Haben Sie Ihre Rechte verstanden?“
Es war Graham gleichgültig, ob Sergey ihn verstanden hatte oder nicht. Er hatte lediglich vorschriftsmäßig die Miranda Warnung herunterzuleiern.
Ein Anflug von Panik ergriff Sergey, denn er hatte in Chicago unter seinem wirklichen Namen eingecheckt und das FBI konnte unmöglich bereits seine wahre Identität herausgefunden haben. Es musste sich um ein Versehen handeln!
Reisende und ihre Angehörigen, Gepäck und Trolleys verstopften den Weg, während sie sich durch eine riesige Drehtür in das Freie drängten. Sergey versuchte, sich in dem Gewühl loszumachen, seinen Pass hervor zu holen, um das Missverständnis zu klären. Aber die beiden Beamten hielten ihn fest im Griff. Draußen öffnete der dritte Mann die hintere Wagentür eines schwarzen Buicks und verzweifelt stemmte sich Sergey gegen die beiden Special Agents, die ihn auf die Sitzbank befördern wollten.
Sergey war kräftig gebaut und Angst verdoppelte seine Anstrengungen. Durch eine ruckartige Drehung nach links gelang es ihm, Lennington für einen kurzen Moment abzuschütteln und seinen rechten Arm frei zu bekommen. Er langte in die linke Brusttasche seines Anzugs, um nach seinem Pass zu greifen.
Die Kugel traf ihn mitten in die Stirn. Ungläubiges Staunen machte sich in Sergeys Blick breit, als seine Beine nachgaben und er rückwärts auf das Pflaster stürzte. Graham und Lennigton ließen ihn instinktiv los und traten entsetzt einen Schritt zurück.
„Bist Du verrückt geworden?“ schrie Graham fassungslos Jim Valinsky an. „Wir standen keine zwei Schritt von dem Mann entfernt! Du kannst hier doch nicht so einfach rumballern!“
„Ich dachte, der zieht eine Waffe.“
Special Agent Jim Valinsky ließ den Revolver langsam sinken und lehnte sich an sein Gefährt. Er wirkte vollkommen ruhig. Keine Spur von Nervosität.
Graham schäumte vor Wut. Er kniete sich neben Sergey und beugte sich über ihn, konnte aber kein Lebenszeichen mehr feststellen. Er sah mit verzerrtem Gesicht hoch zu Valinsky.
„Quatsch, der kommt doch gerade aus dem Flieger und wir haben ihn sofort abgefangen. Wie soll er da ein Schießeisen bei sich tragen?“
Neugierige scharrten sich um sie und langsam schloss sich ein Kreis. Rufe nach Polizei und Ambulanz wurden laut.
Graham fasste dem Toten in die linke Brusttasche. Statt einer Waffe zog er einen Pass heraus und blätterte ihn mit spitzen Fingern auf. Mit gerunzelter Stirn betrachtete er die ersten Seiten und untersuchte dann die restlichen Taschen des Toten. Schließlich förderte er noch einen Führerschein zutage. Dann kramte er das Bild von vorhin aus seiner eigenen Tasche hervor und verglich es mit dem Gesicht des Toten und den Bildern in den Dokumenten. Er sah zu seinen beiden Kollegen hoch.
„Das ist unser Mann. Das ist der Kerl auf dem Foto. Aber heilige Scheiße! Der ist Amerikaner! Er hat einen in Illinois ausgestellten Führerschein und einen amerikanischen Pass! Und auf den Namen Sergey lauten seine Papiere auch nicht!“
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Montag, 25. Februar 2013
Schwarzgeldkonto ...
thomas-christian, 22:42h
„Was kann ich für Sie tun?“
Sie faltete ihre Hände auf der Tischplatte und erinnerte ihn ein wenig an eine Grundschülerin, die besonders brav im Unterricht wirken wollte.
„Vielen Dank, dass Sie Zeit für mich haben. Ich freue mich auch, dass ich Sie gefunden habe, denn eigentlich hatte ich die Banque Internationale a Luxembourg gesucht.“
Er erwartete, dass sie aufgrund seiner Bemerkung nun erläutern würde, wieso es diese Bank nicht mehr gab und er stattdessen in der ‚Dexia‘ war. Aber weit gefehlt. Sie machte keinerlei Anstalten, diesen Umstand zu erklären. Also fuhr er fort:
„Ich habe folgendes Anliegen. Am dritten Oktober 1989 wurde bei der Banque Internationale a Luxembourg ein Nummernkonto eingerichtet.“
Dirk fischte aus seiner Anzugstasche die Einzahlungsquittung und gab sie an Vanessa E. Diese nahm sie und warf einen kritischen Blick darauf.
„Das Konto wurde damals von“ …
Er wollte automatisch Lutz Schulenburg sagen, unterbrach sich aber in letzter Sekunde. Zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung hatte Lutz weiß Gott wie geheißen.
„Das Konto wurde damals von einem deutschen Staatsbürger aufgemacht. Können Sie mir Auskunft zu diesem Konto geben?“
Sie lächelte ihn unverbindlich an. Diese Art zu Lächeln schien den Angestellten hier antrainiert worden zu sein.
„Verzeihen Sie bitte, aber so ohne weiteres aufgrund eines Einzahlungsbeleges von vor so langer Zeit kann ich nichts sagen. Wenn das Konto damals als ein Nummernkonto angelegt wurde, dann muss zu dem Konto auch ein Kennwort existieren. Ist Ihnen das Kennwort bekannt?“
Sie sah ihn fragend an.
„Ja, ich kenne das Kennwort.“
„Gut.“
Sie lächelte wieder unverbindlich.
„Wenn Sie die Nummer und das Kennwort haben, dann kann ich heraussuchen, was wir zu dem Konto haben. Die Nummer kann ich dem Einzahlungsschein entnehmen. Wie lautet das Kennwort bitte?“
Dirk nannte das Kennwort. Er lehnte sich vor und wartete gespannt auf ihre Reaktion. Als ob dessen bloße Nennung bei seiner Gesprächspartnerin ausgesprochene Hektik verursachen musste. Oder war es etwa das falsche Kennwort?
„Gut.“
Vanessa E. war vollkommen unbeeindruckt. Vielleicht kennt sie auch nicht die Namen ehemaliger deutscher Kanzler, überlegte er.
Sie stand auf und setzte sich an einem kleinen Nebentisch vor einen Bildschirm. In die Konsole tippte sie die Kontonummer ein und wartete. Dann tippte sie noch eine Reihe weitere Abfragen ein und wartete wieder. Dann griff sie mit erstauntem Gesichtsausdruck zu einem Telefonhörer neben sich, wählte eine Kurzwahl und sprach sehr leise mit jemandem am anderen Ende der Leitung in einem unverständlichen Singsang. Es klang wie eine Mischung aus französisch und holländisch. Dirk hörte zum ersten Mal in seinem Leben Letzebuergesch.
Sie legte den Telefonhörer auf.
„Geben Sie mir bitte ein paar Minuten. Ich muss nur kurz in unser Archiv. In der Zwischenzeit bedienen Sie sich bitte ohne Zwang bei den Getränken.“
Dirk blieb alleine im Besprechungsraum zurück. Innerlich war er auf alles gefasst. Er rechnete sogar mit der Möglichkeit, dass an Stelle der unverbindlich lächelnden Vanessa E. ein Trupp Polizisten in den Raum stürmen und ihn festnehmen würde. Er wusste nicht, warum auch dieses Szenario in seinem Kopf war. Aber es war da.
Wesentlich länger als ein paar Minuten dauerte es, bis Vanessa E. zurückkam. Trotz der weit herunter geregelten Klimaanlage stand Schweiß auf seiner Stirn, als sie endlich mit einem dünnen Aktendeckel unter ihrem Arm wieder den Raum betrat.
„Sie haben sich ja gar nicht bei den Getränken bedient.“
Tadelnd blickte sie ihn an und setzte sich wieder an den Tisch, den Aktendeckel vor sich. Sie konnte nicht ahnen, dass ihm in den letzten Minuten nicht wirklich nach einem kalten Getränk oder Kaffee gewesen war.
„Es ist schon lange her, dass eine Bewegung auf diesem Konto stattfand“, erklärte sie entschuldigend. „Daher musste ich auch noch in die Registratur.“
Sie schlug den Aktendeckel auf. Dirk stockte der Atem.
„Was ich Ihnen sagen kann ist, dass das Konto eröffnet wurde und auch Bewegungen stattgefunden haben müssen. Dann erfolgte ein Eintrag am fünfzehnten Februar 1997 und seit dem ist das Konto“, sie schien nach Worten zu suchen, „also seit diesem Tag ist das Konto, wie soll ich sagen, seit diesem Tag ist das Konto einfach nicht mehr da.“
Sie sah aus, als ob sie eine große Schuld gebeichtet hätte und jetzt darüber Erleichterung empfand, dass es endlich ausgesprochen war.
Dirk war verwirrt. Erst war die Bank nicht mehr da und jetzt war das Konto nicht mehr da.
„Wie meinen Sie das, das Konto ist nicht mehr da?“
„Na ja, so wie ich sage. Das Konto ist nicht mehr da.“
Sie wirkte verlegen.
„Hat jemand das Konto aufgelöst?“
„Nein, eigentlich nicht.“
Dirk wurde ungeduldig.
„Was heißt eigentlich nicht?“
Sie gab sich merklich einen Ruck.
„Also, zuerst habe ich ihr Konto in unserem System auf dem Bildschirm gesucht, es aber nicht gefunden. Das Konto gibt es bei uns also nicht. Da Sie aber einen Einzahlungsbeleg für das Konto besitzen, musste es folglich irgendwann einmal existiert haben. Daher war ich gerade in unser Archiv gegangen. Dort habe ich aber auch nichts gefunden. Also bin ich dann in unsere Registratur gegangen und habe in den alten Journalen der Banque Internationale a Luxembourg nachgesehen. Dort habe ich die Bestätigung gefunden, dass das Konto tatsächlich, so wie von Ihnen gesagt, an dem besagten Tag bei der Banque Internationale a Luxembourg von unserem Mitarbeiter angelegt wurde.“
Sie machte eine Pause und sah Dirk offen an. Er saß wie versteinert und versuchte zu verstehen.
„Das Konto war nicht auf den Status inaktiv gesetzt. Also mussten Bewegungen auf dem Konto gewesen sein. Nur Konten, die lange Zeit keine Bewegung aufweisen, werden auf inaktiv gesetzt. Und wenn sie dann lange genug als inaktiv geführt wurden, dann dürfen wir solche Konten löschen. Ihr Konto war nicht auf inaktiv gesetzt.“
„Aber die Bank hat trotzdem irgendwie das Konto gelöscht?“
„Nein.“
Dirks Verwirrung verstärkte sich.
„Wenn die Bank das Konto gelöscht hätte, dann wäre ein entsprechender Vermerk zu dem Konto vorhanden. Ich hätte dann das Konto mit diesem Vermerk in unserem System auf dem Bildschirm gesehen. Und das Konto war nicht auf inaktiv gesetzt, wie ich bereits sagte. Also mussten Bewegungen da gewesen sein.“
Sie dachte nach.
„Ein aktives Konto löscht die Bank nie, auf keinen Fall.“
Sie machte wieder eine Pause, dachte erneut nach, und Dirk schien es, als ob er gefoltert würde.
„Wenn ein Kunde das Konto gelöscht hätte, dann wäre auch ein entsprechender Vermerk zu dem Konto vorhanden, den ich bei der Abfrage auf dem Bildschirm hätte sehen müssen.“
Vanessa E. wirkte jetzt vollkommen hilflos.
„Ich kann auch keinerlei Bewegung auf dem Konto nachvollziehen. Nichts. Kein einziger Eintrag ist mehr vorhanden. Ich habe mir extra auch noch die alte Akte mit den Papierdokumenten geholt.“
Sie wies auf den Aktendeckel vor sich.
„Ab dem fünfzehnten Februar 1997 scheint es, als ob sich das Konto“, sie machte wieder eine Pause und blätterte hilflos in den wenigen Seiten der Mappe vor sich. „Es ist so, als ob sich das Konto in Luft aufgelöst hat.“
Dirk bemühte sich zu verstehen, was Vanessa E. ihm mitzuteilen versuchte.
„Also, Sie sagen, dass das Konto 1989 eröffnet wurde und es jetzt folgende Möglichkeiten gibt. Erstens, das Konto wurde nie genutzt, es waren also keine Bewegungen auf dem Konto. Dann wäre das Konto irgendwann in den Status inaktiv gesetzt worden und nach ein paar Jahren gelöscht. Diese Löschung würden Sie aber mit einem entsprechenden Vermerk nachvollziehen können. Diesen Vermerk gibt es aber nicht, daher hatte das Konto nicht den Status inaktiv, daher musste es genutzt worden sein. Richtig?“
„Richtig.“
„Zweitens, das Konto wurde genutzt, dann wurde es aber von der Bank auf keinen Fall gelöscht. Sondern nur, wenn der Kunde es gewünscht hätte. Aber auch in einem solchen Fall hätten Sie das Konto als gelöscht mit einem entsprechenden Vermerk gefunden. Richtig?“
„Richtig.“
Sie fühlte sich zunehmend unwohler in ihrer Haut.
„Aber das Konto ist weder von der Bank, noch vom Kunden gelöscht. Richtig?“
„Richtig.“
„Trotzdem ist das Konto nicht da, wie Sie sagen. Wie kann das sein? Und wo sind die Unterlagen, die die einzelnen Bewegungen nachvollziehbar machen?“
„Ich weiß es nicht.“
Sie bemühte sich um Fassung.
„Es gibt in unserem alten Journal nur die Eröffnung und einen Eintrag vom fünfzehnten Februar 1997.“
„Was war denn am fünfzehnten Februar 1997?“
„Auch das kann ich Ihnen nicht sagen.“
Sie war jetzt sichtlich am Boden zerstört.
„Ich kann lediglich sehen, dass das Konto am fünfzehnten Februar 1997 angesprochen wurde in unserem EDV-System. Wir haben in 1999 unsere Software gewechselt und da wurde das Konto schon nicht mehr mit rüber gezogen. Es war ab dem besagten Tag in 1997 einfach nicht mehr da.“
„Wer hat denn das Konto angesprochen, wie Sie es nennen?“
„Auch das kann ich Ihnen nicht sagen. Es ist einfach keine Information dazu hinterlegt.“
Vanessa E. rang um ihre Fassung. Ein Konto, das so einfach verschwand, gab es ganz einfach nicht in ihrer Bank. Und doch schien es so. Dirk spürte, wie er langsam ungehalten wurde.
„Das darf doch nicht wahr sein! Was können Sie mir denn sonst noch sagen?“
„Leider nichts mehr. Ich habe Ihnen alles gesagt, was wir zu diesem Konto wissen.“
Sie flüchtete sich jetzt in ihr unverbindliches Lächeln. Dirk stand auf.
„Dann danke ich Ihnen trotzdem sehr herzlich.“
Ihm war klar geworden, dass er bei Vanessa E. mit weiteren Fragen auch nicht mehr erreichen würde. Vielleicht sollte er sich doch vertrauensvoll an Ralf Martens wenden? Der hatte schließlich großspurig angeboten, sich für illegale Transaktionen in die Server der Bank von England einzuloggen. Wenn Ralf das ernsthaft konnte, warum sollte er sich dann nicht auch illegal in diese Luxembourger Bank einloggen können? Genauso schnell wie der Gedanke an Ralf gekommen war, so schnell verwarf Dirk ihn auch wieder.
Er verabschiedete sich und verließ das Besprechungszimmer. Im Hinausgehen glaubte er auf Vanessa E.s Gesicht ablesen zu können, dass sie sich äußerst unwohl in ihrer Haut fühlte, aber sich bemühte, alles mit diesem unverbindlichen Lächeln zu überdecken.
Beim Durchqueren des Schalterraums traf ihn fast der Schlag. Da stand nahe am Ausgang der Mann von vorhin. Das Poloshirt war eindeutig. Dirk konnte es beschwören. Es war derselbe Mann …
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Montag, 18. Februar 2013
Anmerkung zu meinem letzten Eintrag
thomas-christian, 14:45h
Das Protokoll ist exakt so, wie ich es damals verschlüsselt hatte. Sogar mit allen Fehlern, die mir dabei unterlaufen waren. Es enthält Details zu der Schwarzgeldproduktion, die später in die CDU-Spendenaffäre führte, erklärt, warum Detlev Rohwedder sterben musste und wie unvostellbare Summen an SED- und Stasigeld mit Hilfe der bundesdeutschen Regierung zur Seite geschafft wurden ...
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Das Protokoll
thomas-christian, 13:29h

Tief in der Nacht kam ich nach Hause. Ich konnte nicht schlafen, probierte es auch gar nicht.
Vollständig angezogen lief ich ohne Unterlass durch die Wohnung und dachte darüber nach, was zu tun sei. Ich wusste, dass auch Anne wach lag und nicht schlafen konnte, weil ich wie ein aufgescheuchter Tiger hin und her lief. Es tat mir leid, aber ich konnte mein aufgewühltes Inneres nicht einfach abstellen. Die Erkenntnisse aus dem gestrigen Abend waren einfach zu viel für mich in dieser Minute.
Protokolllose Treffen durften keine Aufzeichnungen nach sich ziehen. Aber ich wusste auch, dass mich mein Gedächtnis im Laufe der Zeit im Stich lassen konnte, wahrscheinlich nach hinlänglich langer Zeit es auch tun würde. Mir wurde schwarz vor Augen.
Das Unterbewusstsein übernahm wahrscheinlich in dieser Minute die Steuerung meiner Gedanken. Es reichte aus, mich erkennen zu lassen, dass das Wissen um den gestrigen Abend erhalten bleiben musste. Ich fühlte, dass die Welt Bescheid wissen muss. Ich wusste nur nicht, wann und wie.
Gegen Morgen saß ich in einem Sessel im Wohnzimmer. Ich hatte das Licht nicht eingeschaltet. Die Dunkelheit wirkte beruhigend, während ich mir das Hirn zermaterte.
Unmöglich konnte ich mit jemandem darüber reden, auch mit Anne nicht. So viel war klar. Ich hätte sie dadurch in große Gefahr gebracht. Erst recht konnte ich mit keinem anderen Teilnehmer der Runde reden. Jedes Diskutieren oder gar Hinterfragen der Geschehnisse stempelte mich sofort als Sicherheitsrisiko. Und ich gab mich keinen Illusionen hin, was Mischa mit Sicherheitsrisiken anstellen würde.
Gegen Morgen stand ich auf, holte mir einige Seiten unbeschriebenes Papier, eine harte Schreibunterlage und einen Kugelschreiber. Dann fertigte ich ein Protokoll der Gesprächsrunde im Treptower Park an.
Ich schrieb dabei auf der harten Unterlage, damit sich nichts durchdrücken und so später vielleicht einmal wieder sichtbar gemacht werden konnte. Ich war fast panisch beunruhigt und hatte ständig das Gefühl, dass mir jemand über die Schulter schauen und mich ertappen würde. Das ist Unsinn, sagte ich wiederholt zu mir selber, außer Anne und mir ist kein Mensch hier in der Wohnung. Alter, bleib ruhig!
Anschließend verschlüsselte ich das Protokoll. Verglichen mit den Kenntnissen und Fähigkeiten der professionellen Geheimdienste verstand ich nicht viel vom chiffrieren, aber es sollte zumindest so weit reichen, dass ein zufälliger Betrachter oder selbst ein gezielter Leser es nicht auf den ersten Blick entschlüsseln konnten. Das Verfahren entsprach den Vorstellungen des Caesar-Verfahrens, aber ich war inzwischen zu müde, um mir einen komplizierten Schlüssel auszudenken.
Das verschlüsselte Protokoll schrieb ich auf der harten Schreibunterlage auf weitere weiße Blätter. Noch immer stark beunruhigt. Obwohl ich mit meiner Arbeit den Umständen entsprechend durchaus zufrieden war. Ich legte das fertig geschriebene Protokoll vor mir auf den Tisch und starrte es lange an. Was ich sah, sah zum Glück verwirrend aus.
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Sonntag, 17. Februar 2013
Wenn ich mich recht erinnere
thomas-christian, 14:13h
… dann war die Einführung des Euro wie wir ihn heute kennen so etwas wie ein historischer Deal.
Ein Deal?
Genau.
Ein Deal.
Zwischen Francois Mitterand und Helmut Kohl. Deutsche Einheit gegen Euro, wie wir ihn heute kennen.
Deutsche Einheit gegen Euro?
Genau.
Wieso?
Theo Waigel hatte für vernünftige Stabilitätskriterien für den Euro gekämpft, vor allem für flexible Reaktionsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Inflation und Förderung des Wirtschaftswachstums. Er setzte zur Durchsetzung seiner Ziele in erster Linie auf eine Verzögerungsstrategie bei der Einführung des Euro.
Und?
Francois Mitterand bestand auf der Festschreibung des volkswirtschaftlichen Zustandes der zuerst von der Einführung des Euro betroffenen Staaten als Konvergenzkriterien und beizubehaltende Stabilitätskriterien. Und gab Gas.
Die Stabilitätskriterien sind also nichts anderes als eine historische Momentaufnahme der Staaten damals, so wie sie gesehen werden wollten? Auch Italien, Griechenland und Deutschland?
Genau.
Und damit eine willkürliche Festschreibung auch auf Basis gefälschter Staatsbilanzen?
So ist es.
Aber all die Experten? Wussten die es nicht besser?
Keine Ahnung. Selbst wenn, dann hatten sie sich dem Primat der Politik gebeugt. Es gibt keine hinreichende volkswirtschaftliche Begründung für genau diese Stabilitätskriterien und nur diese.
Und in dieser damals willkürlich festgelegten Zwangsjacke stecken wir jetzt?
Richtig.
Und was war nun der Deal?
Na, Helmut Kohls deutsche Einheit gegen Francois Mitterands Euro Stabilitätskriterien.
Hätten wir also ohne die deutsche Zustimmung zu den Stabilitätskriterien jetzt vielleicht keine Wiedervereinigung?
Vielleicht.
Sicher? Das mit dem Deal?
So weit ich mich erinnere, ja.
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Samstag, 16. Februar 2013
Leute
thomas-christian, 15:43h
... lasst Euch doch nicht für dumm verkaufen!
Gerade habe ich eine Diskussion hinter mich gebracht über marktkonforme Demokratie. Noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben:
markt-kon-for-me De-mo-kra-tie
Zugegeben, ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert und nicht Volkswirtschaftslehre. Aber soweit reichen meine VWL-Kenntnisse denn doch noch, um zu erkennen, dass Märkte generell den Bestrebungen zur Monopolisierung unterliegen.
Monopolobestrebungen.
Was nichts anderes bedeutet als die Bestrebung zur
Alleinherrschaft.
Die Forderung nach marktkonformer Demokratie heißt also der Monopolisierung in der Politik Raum geben, die Bestrebung zur Alleinherrschaft legalisieren. Nur, dass wir es zum ersten Mal nicht mit einem Despoten oder Diktator zu tun haben. Diesmal ist die Bedrohung abstrakter, schleichender, nicht auf Anhieb zu erkennen.
Wir sind auf bestem Wege, die Alleinherrschaft des
Kapitals
herbeizuführen. Die Installation des Gouverneursrats im Eurorettungsschirm ist ein gigantischer Schritt in diese Richtung. Die Demokratie in der Eurozone wird schleichend abgeschafft zugunsten der Feudalherrschaft des Kapitals.
Und wir stehen dabei, schauen zu.
Von nachfolgenden Generationen werden wir uns fragen lassen müssen, wo wir damals waren, als all dieses um uns herum passierte. Und wie unsere Großeltern auf die Frage, wo seid Ihr im Januar 1933 gewesen, nur ausweichend antworten, so werden wir unseren Enkeln gegenüber ausweichend antworten. Schulter zuckend. Unangenehm berührt.
Wo bleibt der gesunde Menschenverstand?
Wo bleibt die Toleranz?
Im Herbst wird wieder gewählt in deutschen Landen. Für mich als ExPat sind Bundestagswahlen die einzigen Wahlen, an denen ich in Deutschland teilnehmen darf. Aber soll ich Euch etwas verraten? Ich habe keine Ahnung, welche politische Partei, welche Kandidaten für gesunden Menschenverstand und Toleranz stehen.
Armes Deutschland …
Herzliche Grüße,
Thomas
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Freitag, 15. Februar 2013
Ein bisschen
thomas-christian, 13:39h
rar habe ich mich gemacht, die letzten Tage. Aber wer auf Wolfsjagd geht, darf nicht laut trampeln. Leise, wenn möglich geräuschlos, unerwartet auftauchen, lautet die Devise. Und nach dem Zuschlagen schnell von dannen machen und in Deckung gehen ...
Herzliche Grüße,
Thomas
Herzliche Grüße,
Thomas
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